Studie zu Werkstätten und Elektromobilität

Studie zu Werkstätten und Elektromobilität

  • 3 Jan 2017

TÜV SÜD: Wie gut sind Werkstätten auf Elektroautos vorbereitet?

TÜV SÜD und Technomar haben zum Auftakt der 20. Automobil International AMI in Leipzig eine neue repräsentative Umfrage zur E-Mobilität vorgestellt. Im Auftrag des TÜV SÜD hat Technomar dazu bundesweit 311 Werkstätten und Autohäuser befragt.

Die Auswertung zeigt: 60 Prozent betrachten das Elektroauto als Chance für ihr Unternehmen. Die Branche sieht der Entwicklung mit Offenheit und Interesse entgegen. Die Besorgnis, die neue Technologie könnte schlecht fürs Geschäft sein, ist mit 26 Prozent relativ gering. Hauptgründe dabei sind hohes Schulungspotenzial für die Mitarbeiter und die Sorge, dass Verschleißteile weniger und Wartungsintervalle größer werden könnten. Bei der konkreten Umsetzung wollen sich Werkstätten und Autohäuser jedoch noch Zeit lassen. Lediglich zwölf Prozent glauben, sich bereits heute schon mit der Elektro-Technologie auseinandersetzen zu müssen. Alle anderen sehen den Strom erst langsam auf die Straßen und die Werkstätten zurollen: immerhin 32 Prozent in zwei bis fünf Jahren.

Erstaunlich aber: 38 Prozent glauben, dass die Technologie erst in fünf bis zehn Jahren so weit entwickelt sein wird, dass sie sich damit auseinandersetzen müssten. Das könnte zu spät sein, mahnen die Experten von TÜV SÜD, denn Hybridautos sind schon heute Realität. Indes: Die abwartende Haltung der Mehrheit zeigt sich bei der Vorbereitung in den Werkstätten: Mehr als 80 Prozent der Techniker und Mechatroniker haben noch keine Erfahrung mit Hybridmodellen.

Lediglich in 14 Prozent der befragten Werkstätten wurde Personal bislang entsprechend geschult – mehrheitlich bei Marken-Werkstätten, die bereits Hybrid-Modelle im Angebot haben. Knappe 50 Prozent wollen mit der konkreten Vorbereitung auf die Stromer noch ein paar Jahre warten und erst dann mit der Schulung der Mitarbeiter beginnen. 35 Prozent halten den Start mit Fortbildungen in Sachen Elektroantrieb erst dann für nötig, wenn es gar nicht mehr anders geht. Immerhin: Neun Prozent wollen im kommenden Jahr die Mitarbeiter zur Fortbildung schicken.

Überraschendes Ergebnis: Obwohl für die meisten die E-Mobilität erst in ein paar Jahren interessant wird und das Personal noch nicht ausreichend geschult ist: Die Bereitschaft, am Stromer zu schrauben, ist da. Mehr als 22 Prozent würden Hybrid und Co. notfalls ohne Schulung heute schon reparieren. Die Gefahren der Hochvolt-Technologie werden in der Branche nach Ansicht von TÜV SÜD unterschätzt. Stromschlag oder Batteriebrand sind nur für wenige Werkstätten ein Thema: Gute zwölf Prozent halten den Stromer im Vergleich zum Verbrenner für etwas riskanter, weil die Gefahr eines Stromschlags besteht. Immerhin 14 Prozent sehen die Gefahr eines Batteriebrandes als vergleichsweise problematisch. Gerade beim Thema Batteriesicherheit zeigt die Befragung ein überraschend geringes Risikobewusstsein: Satte 87 Prozent der Befragten stufen die Gefahren im Umgang mit dem E-Auto als geringer ein als beim Verbrennungsmotor. Häufigste Begründung: Das Elektroauto hat keinen Kraftstofftank. Aus Sicht von TÜV SÜD eine alarmierende Zahl.


Auswertung Werkstättenumfrage
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